Entstehung und Entwicklung

Bei der Schwenninger Tracht handelt es sich um die evangelische Tracht der Baar, die zu einem verhältnismäßig kleinem Trachtengebiet gehört, das neben Schwenningen die Orte Trossingen, Aldingen, Hausen o.V., Tuningen, Talheim, Schura sowie Sunthausen und Öfingen umfasst. Zusammen mit der katholischen Tracht der Baar gehört sie zur großen Gruppe der Schwarzwaldtrachten.

Während sich heute die Männertrachten der Baar nur unwesentlich unterscheiden, gibt es im Erscheinungsbild der Frauentrachten zwischen den katholischen und evangelischen Trachten erhebliche Unterschiede. In ihrer Entstehung gehen sie alle auf die gleichen Ursprünge zurück, wie ja alle Volkstrachten etwas Gemeinsames haben. In unserer Frauentracht treffen wir manches alte Trachtenstück an, das wohl schon zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges getragen wurde und seither keine nennenswerte Veränderung erfahren hat. Um das Jahr 1600 herum sind auch die Anfänge zu suchen, die zur Entstehung der heutigen Volkstrachten führten.

Die Anfänge der Volkstrachten

Aus der Zimmer’schen Chronik wissen wir, dass sich im 16. Jahrhundert sich das Gewand der Bauern von der damals herrschenden spanischen Mode nur durch größere Einfachheit unterschied. Das Kleid richtete sich nach dem Stande des Trägers. Kleiderordnungen und Erlasse wiesen jedem Stande seinen Anteil an der Modetracht zu. Gleichgültig, ob Bürgermeister oder Stadtknecht, Bauer oder Junker, alle trugen sie ihr Standeskleid, an dem man sie erkennen konnte, wie der Vogel an den Federn.

Es wurde auch oft gegen diese Ordnung verstoßen, die dann entsprechende Strafen zur Folge hatte. So ist zum Beispiel bekannt, dass der Büttel sonntags vor der Kirchentür wartete, um den Frauen und Mädchen die übermäßig langen Schnabelschuhe mit der Schere zu kürzen. Die Zeit um 1600 herum war geprägt von Wohlstand und Kleiderpracht, die auch bei der Landbevölkerung unserer Gegend zu finden war. Ein Inventarium aus Donaueschingen von 1610 berichtet, dass während des Jülischen Erbstreites vielen Bäuerinnen bis zu 30 Schleier geraubt wurden und den Bauern unter anderem gestickte Wappenröcke.

Vor allem in Süddeutschland war die vorherrschende Mode stark spanisch beeinflusst. Düster und ernst war die Kleidung. Das einzig Helle war die mächtige Halskrause, die „Kröse“. Die Kröse (Abb. 1) ist ein mit Mehl gestärkter Radkragen. Um 1600 nahm er zeitweise riesige Dimensionen an mit einem Gewicht bis zu 10 Kilogramm.

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Abb. 1, 2

Die konfessionelle und die politische Zersplitterung Deutschlands führte zur Behinderung der Freizügigkeit und zu einer Abschottung der Bevölkerung. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die Volkstrachten entsprechend der Trachtengebiete unterschiedlich entwickelten. Bei uns waren es vor allem die alten Grenzen zwischen der Grafschaft Fürstenberg, Vorderösterreich und Altwürttembergs, die die Bevölkerung trennte. Diese Trennung war nicht nur politisch, sondern auch konfessionell, denn der Regierende bestimmte die Religion seiner Untertanen (Cujus regio, ejus religio). Dadurch entstand die seltsame, buntscheckige konfessionelle Durcheinanderschiebung, die in unserer Gegend bis ins zwanzigste Jahrhundert erhalten geblieben ist.

Vorderösterreich erzwang mit eiserner Hand das Verbleiben der Untertanen beim Katholizismus, während Württemberg (hierzu gehört Schwenningen) die Reformation einführte. Je mehr die Reformation zur Bevölkerung der evangelischen Gemeinden durchdrang, desto schlichter wurde das Kleid. Dies traf in besonderem Maße uaf die weibliche Kleidung zu, die allen modischen Übertreibungen entsagte. Wen wunderte es nun noch, dass die evangelische Tracht sich bis heute den Elementen der damaligen spanischen Mode treu blieb.

Für die evangelischen Ortschaften unseres Raumes wurde zusehends die Stadt Schaffhausen zum kulturellen Zentrum. Schaffhausen war es auch, das für zahlreiche protestantische Familien aus der Baar während des 30-jährigen Krieges ein sicheres Asyl bot. Die damals geknüpften Verbindungen blieben auch nach dem Krieg bis ins 20ste Jahrhundert hinein bestehen. Ein weiteres kulturelles Zentrum im Mittelalter war Straßburg, das hauptsächlich Baden und den Schwarzwald bis zum Neckar beeinflusste.

Die Tracht ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert bis Anfang des 20. Jahrhunderts.

Es ist die Zeit nach der französischen Revolution, die Zeit Napoleons, der 48er Revolutionen, die Württemberg aber verhältnismäßig ruhig überstand und danach die der Reichsgründung (Versailles), Bismarcks, des Kulturkampfes, Kaiser Wilhelms, des Weltkrieges und wieder Versailles. Es war auch die Zeit der Biedermaier, der Aufklärung und des erstarkenden württembergischen Pietismus.

Es war die Zeit des industriellen Aufstiegs und des zunehmendes Wohlstandes, der sich auch im Bauernstand abzeichnete. Der Franzose C. Lallemand berichtet in seinem fotografischen Werk „Le Wurtemberg e l’Alsace – Costumes et Paysages“ über unser Gebiet um die Mitte des 19. Jahrhunderts, dass das württembergische Volk zwar einfach lebe, der Wohlstand der Bauern aber größer sei als der der Weingärtner, denn er nehme fünf Mahlzeiten am Tag ein. Er äße Butter, Milch – und Mehlspeisen sowie Fleisch und tränke Bier (im Gegensatz zu den Bauern der Alb, die nur viel Katoffel- nd Mehlspeisen äßen und denen des Schwarzwaldes, die viel Wein und Schnaps tränken). Ihre Häuser seien selten ärmlich, alle bequem wohnlich, wenn nicht elegant. Die Tracht der katholischen Gebiete zeichne sich durch lebhafte Farben aus, die der protestantischen durch dunklere Kleidung.

Das Bild „Junge Leute von Schwenningen“ (Abb. 7) von C. Lallemand zeigt die Schwenninger Frauentracht, die „Hippe“ von hinten. Augenfällig sind die langen Zöpfe mit eingebundenen Zopfbändeln und der ausladende und gefältete Hippenrock, aber auch die Machart des „Käples“. Laut Dr. Rudolf Ströbel sind Mieder, Käpple und Zopfbändel fälschlicherweise rot koloriert. Der junge Bauer hat den langen Gehrock an, während der junge Bursche einen kurzen Kittel trägt. Die Lederhose von beiden in schwarz, die Zipfelkappe in weiß. Beim Bild „Erntezeit in Schwenningen“ (Abb. 8) fallen die Hüte auf, sowohl der hohe Strohhut der „Hippe“ am Fenster wie auch der hohe Hut des Burschen davor. Das Bild „Flachsbrechen“ (Abb. 9) zeigt die Schwenninger Arbeitstracht.

Abb.7 Abb.8 Abb.9

Abb. 7, 8 und 9

F.W. Sturm beschreibt 1823 die Schwenninger Tracht wie folgt: „Der Mann trägt einen zwilchenden Kittel, …am Werktag… gelbe Lederhosen, Schuhe mit Schnallen von Zinn oder Kupfer… und Schmeerkappen: am Sonntag einen blautüchenen Rock, Scharlachwesten mit silbernen oder zinnernen Knöpfen und runden großen Schlapphut … schwarzlederne Hosen… weiße Strümpfe.

Das Weib… Ihre Röcke sind kurz, weit, kaum über die Knie reichend, über den Hüften auf Polstern aufsitzend und mit einer Menge Falten versehen, … zugleich tragen sie rothe Unterröcke und rothe Strümpfe, ihre Kopfbedeckung besteht aus schwarzen, runden, mit langen schwarzen Bändern versehenen Kappen, welche auch oft oben mit mit einem farbigen Stück besetzt sind. Bei der Feldarbeit im Sommer tragen sie über diesen Kappen große weißgelbe Strohhüte; am Sonntag tragen die Vermögenden Kittel von schwarzem Tuch, Rübeliszeug oder Manchester und Mieder von Rübeliszeug oder schwarzem Sammet, bisweilen auch von blauem hellem oder grünem Tuch mit scharlachrother Einfassung. An Sonn- und Feiertagen tragen jedoch nur die Weiber das ganze Jahr zum Kirchengang stark mit Pelz verbrämte Mützen, während die Mädchen Hauben tragen, ihre Schuhe haben niedrige Absätze.“
Abb. 10 zeigt ein Hochzeitspaar aus Aldingen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auffallend der kurze Rock der „Hippe“ und der kurze braune Kittel des Burschen sowie sein Hut und seine Hosenträger.

Abb.10

Bild: Abb. 10

Abb. 12 zeigt die Tracht der Ostbaar gegen Mitte des 19. Jahrhunderts. Man beachte die aufwendig hergestellte „Hippe“, die Lederhose und Kopfbedeckung der Männer und wie einer seine Hosenträger trägt.

Abb.12

Bild: Abb. 12

Mit dem Gemälde der Abb. 15 beschließt Paul Götze seinen Bilderbogen über die Schwenninger Tracht. Der Bauer zeigt die Männertracht, wie sie von der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts überliefert ist. So wie Figur 2 war ihm die Hippe noch aus dem frühen 20ten Jahrhundert bekannt und Figur 3 stellt einen Bauer in „Blauhemd“ und Zipfelkappe dar.

Abb.11

Bild: Abb. 11

Die Frauentracht

Die Festtagstracht dürfte gegen Ende des 17. Jahrhunderts wie bei den Frauen des Bildes von Paul Götze ausgesehen haben. (Abb. 3) Lediglich das „Weiberhütle“ der rechten Figur lässt sich zeitlich erst später nachweisen, so gegen 1750. Als Kopfbedeckung fanden sich dagegen Leinenhauben und Kopftücher (Stauchen) die gleichzeitig als Halstücher dienten. Ab etwa 1700 kamen dann die heute noch bekannten Kappen (Käpple) auf. Gleichzeitig berichten die Inventarien auch über Pelz- oder Priemkappen, mit einem Boden aus schwarzem, blauem oder grünem Samt. (Abb. 11)

Abb.3 Abb.11

Bilder: Abb. 3 und 11

Die Tracht war damals auch das tägliche Arbeitskleid. (Abb. 5) Der kürzere Rock war für die Feldarbeit funktional und entspricht den Angaben von August Reiz, wonach zwischen 1750 und 1850 die Rocklänge nur bis zum Knie reichte. Die bestätigt auch Heinrich Hansjakob, welcher gegen 1845 die Tracht der Schwenningerinnen „mit den roten Strümpfen, dem kurzen Rock und dem kleinen, bändergeschmückten Käppchen“ an den Markttagen in Hasle (Haslach) bewunderte. Laut Inventarien war ab 1700 die Tracht aus einem Stück und wurde „Hippe“ genannt.

Das Oberteil, die „Brust“ war bunt, meist in den Farben rot und blau und angennäht an den „reustenen oder zeugenen“ Rock. Die „Brust“ wurde vorne durch Bänder (Briesel) zusammengehalten. Zuvor bestand sie aus zwei Teilen, wobei das Oberteil den Name „Hippe“ trug. Erst ab etwa 1800 lassen sich bei verheirateten Frauen schwarze „Brüste“ eingefasst mit blauen oder grünen Bändern nachweisen.

Abb.5

Bild: Abb. 5

Das Bild „Bauern von der Baar (Abb. 4) dürfte der Festtagstracht ab 1750 entsprochen haben, mit Ausnahme des Kopfschmuckes, der Schappel, die nur von der Braut zu Hochzeit und zur Taufe von der „Gotte“ getragen wurde. Selbst die Bänder rechts an der Schürze lassen sich laut den Inventarien nachweisen. So wir d von breit gemodelten Samtbändern berichtet, die bei der Tracht von reicheren Frauen beidseitig der Schürze frei herabhingen. Neben dem „Wäldergoller“ (schwarz e Goller mit bunt bestickten Ecken) gab es auch weiße Goller, die mit Rüschen versehen waren, wie man sie heute vorwiegend zur Tracht trägt.

Die „Ärmel“, eine Art Jacke wird in dieser Form seit etwa 1600 nachgewiesenund war früher leinen, reusten oder zeugen, später tüchen, halbseiden und seiden. Auch gab es gefütterte Winterärmel. Schmuck wurde nur spärlich angelegt und beschränkte sich auf den Gürtel, wie aus Stoff und mit metallenen Schließen bzw. Beschlägen. Seit dem 17. Jahrhundert gab es aber auch vereinzelt Gürtel aus silberähnlichem Material bei Reicheren. Die Glaubenslehre verbot jeglichen modischen Pomp. Trotzdem haben ab Mitte des 18. Jahrhunderts Modeeinflüsse aus Frankreich insbesondere die „Schäfermode“ auch die evangelischen Trachten beeinflusst. Lange Zöpfe, kurze Röcke und flache Strohhüte, mit einem bunten Band versehen, waren ihr Kennzeichen. Die Tracht wurde farbenfroher.

In evangelischen Gebieten konnte sich jedoch das buntere Kleid nicht dauerhaft durchsetzen. Schließlich zog man die Tracht auch sonntags zum Gottesdienst an und der Pietismus zeigte seine Wirkung. Ganz anders war dies beim Kopfschmuck. Laut August Reiz sind „Weiberhütle“ in Schwenningen seit 1750 nachgewiesen und gehören seit 1770 als fester Bestandteil zur Tracht. Nach den Beschreibungen aus den Inventarien nach August Reiz sind sie aus feinem Stroh geflochten und mit gemodelten Bändern festgemacht, vergleichbar mit dem Gutacher Wollhut, nur kleiner. Paul Götze rekonstruierte 1931 diese Hüte entsprechend der Rosenhüte, wie man sie in der Gegend um St. Georgen zur Tracht trägt.

Abb.6

Abb. 6

Sehr wahrscheinlich trug man dazu das weiße Goller und nicht das ebenfalls in Schwenningen übliche „Wäldergoller“. Das Rosenhütle war in den evangelischen Orten einfach „Mode“. Eingeführt wurde es vermutlich durch die intensiven verwandschaftlichen Beziehungen, die zwischen den Bewohnern der evangelischen Ortschaften bestanden, denn wen konnte ein Schwenninger Bursche heiraten, wenn’s keine „katholische sein durfte? (Gutach, St. Georgen, ein Teil Tennebronns waren wie Schwenningen evangelisch). Ab etwa 1800 wurde der „Rosenhut durch den Strohzylinder, der auch „Schihut“ hieß und ebenfalls auf französische Modeeinflüsse zurückzuführen war, verdrängt.

Abb.13 Abb.14

Abb. 13 und 14

Auch geht aus den Inventarien hervor, dass ab dieser Zeit die bunte „Brust“ bei Verheirateten durch die schwarze „Brust“ ersetzt wurde. Sie bestand nun aus schwarz geblümelten Samtbändern, eingefasst mit blauen oder grünen Bändern. Bei ledigen und jungen Frauen blieb sie bis etwa 1850 bunt. Die Rocklänge war bis gegen Mitte des 19. Jahrhunderts noch kurz. Im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts trugen junge Frauen anstelle der Tracht immer mehr modische Fabrikkleidung als tägliche Kleidung. Manche ältere Frau trug ihre „Hippe“ jedoch bis Mitte des 20sten Jahrhunderts täglich. Die Tracht wurde trotz ihrer Schlichtheit immer aufwändiger gearbeitet, die Stoffhülle reichlicher und die verwendeten Stoffe wertvoller; sie wurde länger, reichte schließlich fast bis zum Boden und hatte eine breite „Blegge“. Bei der Hochzeitstracht wurde die Schappel ebenfalls größer und zeugte vom Wohlstand der Braut. August Reiz vermutete, dass sich vor 1850 die Schappeln im Kirchenbesitz befanden. Ab 1850 waren sie in Privatbesitz.

Die Männertracht

Auch die Festtagstracht der Männer dürfte gegen Ende des 17. Jahrhunderts so wie auf der Abb. 3 von Paul Götze ausgesehen haben. Dass die in den Inventarien ab 1650 erwähnten knielangen Wollhemden in den Farben weiß, rot und braun auch über der Hose getragen wurden, ist vorstellbar. Später war dann das Hemd aus dünnem Tuch und weiß, ab 1700 mit angenähtem Kragen. Auch der Bursche der Abb. 4 „Bauern der Baar“ kann bei uns gegen Ende des 18. Jahrhundert wie auf dem Bild ausgesehen haben.

Beide Männer tragen eine lederne Kniebundhose, die seit dem 30-jährigen Krieg üblich war. Selten war es jedoch Hirschleder, sondern meist das Leder von Schafen oder Ziegen ind Naturfarben belassen, gelb bis weiß. Auch dass Hosenträger offen, über der Weste oder dem Brusttuch getragen wurden, ist denkbar, denn wozu war denn sonst der Latz so reichlich bestickt. Die Brusttücher lösten das Wollhemd ab. Sie hatten etwa die Länge einer Weste und wurden seitlich unter der Achsel zugekakt. Die Inventarien weisen Brusttücher und Westen seit 1700 nach, die bei den Bauern meist rot waren. Nachgewiesen sind auch glatte und haarige Filzhüte mit schmalem Rand und hoher Gupfe. Ab etwa 1770 wurden sie langsam durch breite Hüte mit Bändern verdrängt.

Aber es sind noch einige weitere Trachtenbestandteile aus dem zu betrachtenden Zeitraum zu erwähnen, denn schließlich wurde die Männertracht auch als Arbeitstracht getragen. So sind seit 1677 „Wämser“ , ein Art Jacken nachgewiesen., zunächst aus Leinen, später tüchen und strickzeugen. Sie wurden nach Feierabend und im Winter unter dem Schopen getragen. Der Schopen oder Zwilchrock war der eigentliche Arbeitsrock der Bauern und Handwerker (Zwilch: schweres dichtes Gewebe aus Leinen oder Baumwolle). Er war der Vorläufer des heute bekannten „Blauhemdes“ und wurde sehr häufig auch von Fuhrleuten getragen (Fuhrmannskittel). Als alltägliche Kopfbedeckung diente die damals überall gängige Lederkappe sowie die Zipfelkappe. Letztere diente im Winter zugleich als Ohrenschutz.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts zeigte sich die Männertracht so wie sie uns heute bekannt ist. Sie unterscheidet sich auch nur unwesentlich von der Männertracht der katholischen Gebiete. Bei der Rockfarbe dominierte immer mehr die blaue Farbe und ab 1830 war sie einheitlich blau. Der Rock ist lang und einreihig mit Knöpfen besetzt. Auch kurze Kittel kamen auf. Sie sind ohne Knopflöcher, dafür befinden sich auf beiden Seiten Knöpfe. Die Lederhose liegt eng am Schenkel an und wurde zunehmend schwarz gefärbt.

Abb.15

Abb. 15

Ab etwa 1830 trugen freiheitlich gesinnte Handwerker lange Tuchhosen, während die Bauern noch bis zur Jahrhundertmitte bei der „Hirschledernen“ blieben. Bei den Westen und den teilweise noch getragenen Brusttüchern dominierte bei den Bauern weiterhin die rote Farbe. Es gab aber lt. Paul Götze auch Westen aus schwarzem Samt mit rot, lau, grün und violett besticktem Streublumenmuster. Die Hutform war nicht einheitlich. Sie reichte vom Schlapphut bis zum Dreispitz. Breite Hüte mit Bändel setzten aber sich immer mehr durch und hatten zeitweise auch die Form eines Zylinders. Laut Paul Götze trug man auch den Schosser.

Das sind Zylinder, welche vorne mit einer metallenen dunkelblauen Schnalle versehen sind. (Abb. 11) Laut den Inventarien gab es ab 1790 auch Pelzkappen mit schwarzem oder rotem Boden (Abb. 6 und Abb. 12). Von den Buben wurden Igelfellmützen sowie Zipfelkappen getragen. Als Arbeitsrock und als Gewand der Fuhrleute war weiterhin der Zwichkittel bez. Das Blauhemd beliebt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschwindet dann die Schwenninger Männertracht aus dem täglichen Straßenbild.

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