Zur Geschichte des Schwenninger Heimatvereins

Die Gründung

Schwenninger Bürgerinnen und Bürger erkannten schon vor dem Ersten Weltkrieg, dass vieles im vormaligen Dorf und der jetzigen Stadt verloren gehen würde, wenn man es nicht sammeln und für ein Museum aufbewahren würde. Dies betraf in der Hauptsache Gerätschaften und Einrichtungsstücke aus bäuerlicher Zeit, nicht zuletzt die Schwenninger Bauerntracht. Vor allem aber betraf es die vorindustriellen Schwenninger Gewerbe wie die Leineweberei, die Schuhmacherei und die Uhrenmacher. Dazu waren schriftliche Hinterlassenschaften, seien es Tagebücher, alte Abrechnungen, Urkunden und Fotografien gefragt. Diese Schwenninger Bürgerinnen und Bürger, die sammelten, aufhoben und sicherstellten, waren auch diejenigen, die im Jahr 1921 den »Verein für Heimatkunde« gründeten, seit 1956 »Schwenninger Heimatverein e. V.«.

»Die Neckarquelle« berichtete am 5. Februar 1921 über die am 2. Februar 1921 im Hotel Rössle erfolgte Gründungsversammlung:

»(Gründungsversammlung des Vereins für Heimatkunde) Die am Mittwoch den 2. Februar, im Hotel Rössle stattgefundene Versammlung, welcher aus allen Bevölkerungsschichten lebhaftes Interesse entgegengebracht wurde, bezweckte die Gründung eines Vereins für Heimatkunde in Schwenningen. Herr Fachschullehrer Rupp eröffnete die Versammlung und wies auf die Bedeutung eines solchen Vereins für Schwenningen hin. Hierauf gab er einen kurzen Bericht über Ausgrabungen, die unter seiner Leitung stattgefunden haben, und die den Beweis einer frühzeitigen Siedlung hiesiger Markung (2000 bis 1500 vor Chr.) erbracht haben.

Die wertvollen Funde waren teilweise zur Besichtigung aufgestellt. Er bemerkte, dass es ihm nach jahrelangem, mühevollem Suchen gelungen sei, hier römische Mauerreste zu entdecken, die nur von einer bedeutenden Niederlassung herrühren können. Die Versammlung war sich klar darüber, dass diese Spuren verfolgt werden müssen; die Anregung zur Gründung des Vereins für Heimatkunde wurde daher mit lebhaftem Beifall begrüßt, und alle Anwesenden zeichneten sich in die Mitgliederliste ein. Herr Hauptlehrer Würthner erstattete Bericht über den Grundstock der hiesigen Altertumssammlung. Mit Bedauern stellte er fest, dass die Lokalfrage nicht gestatte, der Öffentlichkeit eine eingerichtete alte Schwenninger Uhrmacherwerkstätte zugänglich zu machen. Nach der Genehmigung der Satzungen wurde zur Wahl des Ausschusses geschritten, die folgendes Ergebnis hatte:

Vorstand: Herr Dr. Etter,
Kassier: Herr Kaufmann Chr. Jauch, Karlstraße 16,
Archivar: Herr Hauptlehrer Reitz,
Schriftführer: Herr Studienassessor Maier,

Zu Ausschussmitgliedern wurden gewählt die Herren:
OB Dr. Braunagel, Brauereibesitzer Gustav Braunmüller, Prokurist Helmut Bürk, Stadtpfarrer Eitel, Zeichenlehrer Grammel, Fabrikant Julius Jäckle, Landwirt und Gemeinderat Müller, Balthasar Palmtag, Fachschullehrer Rupp, Uhrmacher Schlenker, Postinspektor Schnell, Schreinermeister Strohm und Gemeinderat Vosseler.

Im Schlusswort dankte Herr Dr. Etter für das entgegengebrachte Vertrauen, das er in vollem Maß zu rechtfertigen gedenke. Der Verein wird demnächst mit einem Lichtbildervortrag über die Pfahlbaubewohner des Federsees an die Öffentlichkeit treten. Der geringe Jahresbeitrag von 3 Mark ermöglicht es jedermann, die Bestrebungen des Vereins zu unterstützen, doch sind natürlich höhere freiwillige Beiträge zur Steigerung der Leistungsfähigkeit des Vereins dringend erwünscht. Zur Erreichung seiner Ziele bedarf der Verein der Mitwirkung aller Volkskreise. Anmeldungen zum Beitritt nimmt jedes Mitglied entgegen, sowie der Rechner, Herr Kaufmann Chr. Jauch, Karlstr.16«.

Dr med Hermann Etter

Es waren 63 Gründungsmitglieder, die den Verein sozusagen »aus der Taufe« gehoben haben, wobei im Gründungsjahr nochmals 64 Mitglieder hinzukamen. Der Verein hatte also im Gründungsjahr 1921 bereits 127 Mitglieder.

1922 nahm man nochmals 22 Neumitglieder auf, dann trat eine Stagnation ein, die vermutlich der Inflation und den wirtschaftlichen Krisen der Zwanzigerjahre geschuldet war. Der Mitgliederzuwachs dieser Jahre:
1923/1, 1924/2, 1925/1, 1926/0, 1927/2, 1929/1, 1930/4, 1931/0, 1932/4 und nach Hitlers Machtübernahme 1933/13, 1934/6 und 1936/20, 1937/2. Danach traten keine Mitglieder mehr ein. 1938 gehörten dem Verein 132 Mitglieder an. Der Verein, seit dem Ableben Dr.Etters 1934 unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Dr. Gönnenwein, stellte seine Vereinstätigkeit weitgehend ein. In einem Brief an den Heimatverein berichtete Dr. Gönnenwein über die damalige Zeit. Doch davon weiter hinten.

Erstes Heimatmuseum ab 1929

Der Verein für Heimatkunde war also gegründet und schon bald stellte sich die Frage nach einem Museum, in dem das Gesammelte ausgestellt und die Uhrmacherwerkstatt gezeigt werden könnte. Stadtpfarrer Eitel, den Kirchenbüchern besonders nahe, beschäftigte sich weitgehend mit Familienkunde und hat während seiner Zeit manch‘ Schwenninger Familie ihren Stammbaum erarbeitet. Vor allem Mittelschullehrer August Reitz, der sich mit der Herausgabe seines Buches »Von des Neckars Quelle« bereits einen Namen gemacht hatte, sowie Jakob Hanßmann, Betriebsleiter bei Mauthe-Uhren und Frau Barbara Jauch-Gula, suchten eine Lokalität zur Einrichtung eines Heimatmuseums.

1929 druckte »Die Neckarquelle« mehrerer Beiträge und Aufrufe, ein Heimatmuseum zu gründen. Offenbar hatten die Bemühungen des Vereins für Heimatkunde dazu geführt, dass dafür ein Lokal gefunden wurde. Es befand sich in der alten Polizeiwache unterhalb der Evangelischen Stadtkirche. Zur Einweihung erschienen die Schwenninger Honoratioren, dem Anlass angemessen, in Gehröcken, Stehkrägen und mit Zylinder. Oberbürgermeister Dr. Lang von Langen hielt die Gründungsrede. Mit »Melone, weißen Handschuhen und einem zierlichen Stöckchen unter den Arm geklemmt«, so Zeitzeugen, oblag er seiner Pflicht. Es waren keine gelernten Historiker und auch keine Geschichtswissenschaftler, die das Schwenninger Heimatmuseum ins Leben gerufen haben, sondern gestandene Bürgerinnen und Bürger einer Industriestadt.

Oberbuergermeister Dr Lang von Langen

Ihr Bestreben war, kulturelle Schwenninger Traditionen am Leben zu halten und für die Nachwelt zu bewahren. Die Bevölkerung Schwenningens nahm großen Anteil am neuen Heimatmuseum. Großherzige Stiftungen und Leihgaben bewirkten, dass die Räumlichkeiten in der alten Polizeiwache nicht mehr ausreichten. Die gesammelten Exponate konnten nicht mehr sinnvoll präsentiert werden und Lagerplatz im alten Gebäude gab es kaum.

Oberbuergermeister Dr Otto Goennenwein

Zu dieser Zeit um 1930/31 beschloss der Gemeinderat, das aus dem Baujahr 1779 stammende Gebäude abzubrechen. Es war ein glücklicher Umstand, dass gerade das nebenan stehende alte Gasthaus »Zur Blume« und frühere Wohnhaus der Lehrerfamilie Römer leer stand, zuletzt Arztpraxis von Dr. Gmelin. So konnte auf Antrag der Verwaltung unter Oberbürgermeister Dr. Gönnenwein der Gemeinderat 1931 das Haus dem Verein für Heimatkunde als Museumsgebäude zur Verfügung stellen – bis heute Heimat- und Uhrenmuseum an der Kronenstraße! In den nächsten Jahren war man hauptsächlich mit dem Ausbau des Heimatmuseums beschäftigt.

Die alte volksschule und Polizeiwache

Der Verein im »Dritten Reich«

Dann kam das sogenannte »Dritte Reich« unter Hitler. Aus dem damaligen noch erhaltenen Schriftverkehr ist eine äußerste Zurückhaltung in Bezug auf den allenthalben geforderten NS-Geist zu entnehmen. Von Begeisterung nichts zu finden. August Reitz hat keinen seiner Briefe mit dem geforderten »Heil Hitler« unterzeichnet. Die damals üblichen Aufforderungen der Ortsgruppenleitung, bei NS-Veranstaltungen anwesend zu sein, wurden, soweit es möglich war, ignoriert. So war es nur folgerichtig, dass das Vereinsleben einschlief. Die Gleichschaltung des Vereins im Sinne der NS-Ideologie betreffend, findet sich in den Vereinsakten folgendes Aufstellung der Vereinsführung:

»Zur Kenntnisnahme des 1. Vorsitzenden des Vereins für Heimatkunde, Herrn Dr. med. Etter, Schwenningen a.N.

Falls die Gleichschaltung in dem von uns jetzt vorgeschlagenen Sinne genehmigt wird, setzen sich unsere Vorstandschaft und die Beiräte wie folgt zusammen:

Vorstand:

Dr. med. Etter, praktischer Arzt, Bismarckstraße,
Musikdirektor F. W. Karl, Kronenstraße, Leiter des Kampfbundes f. Deutsche Kultur
Schriftführer:
Hermann Maier, Studienrat, Brückenstraße 30
Kassier:        
Christian Jauch, Prokurist, Salinenstraße 29
Bodenfunde:    
Hermann Rupp, Fachhauptlehrer, Arndtstraße 55
Archivar:        
August Reitz, Mittelschuloberlehrer, Seestraße 6
Verwalter:        
Jakob Hanssmann, Betriebsleiter, Schillerstraße 19
Trachtenverwaltung:    
Frau Jauch-Gula, Eisenwarengeschäft, Marktstraße 11
Beiräte:        
Oberbürgermeister Dr. Gönnenwein, Schopfelenstraße
Brauereidirektor Erwin Braunmüller, Villinger Straße
Fabrikant Julius Jäckle, Neckarstraße
Fabrikant Christian Haller-Schlenker
Fabrikdirektor Karl Maier, Villinger Straße
Buchdruckereibesitzer Christian Link, Kronenstraße
Techniker Hans Vosseler, Goethestraße
Oberlehrer i.R. Karl Henke, Wiesenstraße 71
Gez. Hanssmann«

Um diese Zeit hatte der Verein 80 Mitglieder. Von 1933 bis 1937 kamen 41 neue Mitglieder hinzu, schieden jedoch 50 durch Tod, Austritt oder Wegzug aus. Ab 1936 und bis 1956, dem Jahr der Wiedergründung, ist kein Neuzugang mehr verzeichnet.

Vorsitzender Dr. Hermann Etter, auch Landtagsabgeordneter der Demokratischen Partei und strikter Gegner des neuen Regimes, starb 1934. Zum Nachfolger als Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde wurde das bisherige Beiratsmitglied Oberbürgermeister Dr. Otto Gönnenwein gewählt.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegsjahre

Der Zweite Weltkrieg kam und die ersten Nachkriegsjahre. Selbst dann noch, als die anderen Vereine sich wieder aufrafften und sich um eine neue Existenz bemühten, blieb der Verein für Heimatkunde noch so im Hintergrund, als wäre er gar nicht mehr existent.

Vorausschauend sei hier eingefügt: Im März 1960 verlieh der Schwenninger Heimatverein seinem Mitglied und ehemaligen Vorsitzenden, dem früheren Oberbürgermeister von Schwenningen, Prof. Dr. Dr. Otto Gönnenwein, die Silberne Ehrennadel und ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Ein Dankschreiben des Geehrten verdeutlicht die Situation des Vereins wie des Heimatmuseums während der Hitler-Diktatur und in den ersten Nachkriegsjahren. Hier der Wortlaut:
»[...]. Ich nehme die Auszeichnung in Erinnerung an die Schwenninger Jahre meines Lebens (1930-1948) gerne an. Bei aller Bescheidenheit darf ich auch sagen, dass ich um den Heimatverein einige Verdienste erworben habe. Ohne solche bescheidenen Verdienste wäre ja die Ehrung, die Sie mir entgegenbringen, sinnlos.

Als Historiker, der ich damals im Nebenamt schon war, habe ich bald nach meinem Amtsantritt als Oberbürgermeister dem Heimatverein meine Aufmerksamkeit zugewendet. Vereinsvorsitzender war damals Dr. med. Hermann Etter. Seiner Bitte, um Überlassung weiterer städtischer Räume für das Heimatmuseum konnte ich immer wieder zusammen mit dem Gemeinderat gerecht werden. Nach dem allzufrühen Tod des Herrn Dr. Etter wurde ich zum Vereinsvorsitzenden gewählt.

In den Jahren, in denen ich Vorsitzender des Vereins war, konnte allerdings nicht viel geschehen.
Der Nationalsozialismus stand dem Verein und dem Heimatmuseum interesselos gegenüber; ja der Verein, in dem vorwiegend Nicht-Parteigenossen tätig waren (Oberlehrer Reitz, Jakob Hanßmann) war leicht verdächtig. Es kamen auch immer wieder Vorschläge zu Wort, man solle das Museum auflösen und die so freiwerdenden Räume der HJ (Hitler-Jugend sh) oder einer anderen NS-Organisation überlassen. Ausschußsitzungen und Mitgliederversammlungen konnten nicht mehr abgehalten werden, weil ja der Verein, wenn er schon weiterexistierte, nach dem »Führerprinzip« geleitet werden musste.

Die Besetzung der Stadt durch die französische Armee brachte dann neue Gefahren, vor allem die Gefahr der völligen Ausplünderung des Museums (unter tätiger Mithilfe Schwenninger Einwohner). Aber ein für Volkskunde und Heimatgeschichte sehr aufgeschlossener Offizier der Besatzungsmacht lieh mir seine Hilfe; ich erreichte ein Betretungsverbot für das Museum. Als dann wieder deutsche Vereine gebildet werden durften, kam es noch einmal zu einem sehr heiteren Zwischenfall: der kommunistische Polizeikommissar sah im Heimatverein nur deshalb, weil ihm natürlich auch Mitglieder der NSDAP angehört hatten, eine getarnte Nazi-Organisation.
Zu meiner Freude hat dann noch während meiner ausgehenden Amtszeit der Gemeinderat meinem Antrag zugestimmt und die Mittel für die Neugestaltung des Museums bewilligt. Auch die Anstellung des Herrn Dr. Ströbel ist noch in den letzten Wochen meines Schwenninger Wirkens gelungen.[...].

Mit freundlichen Grüßen!
Ihr sehr ergebener Otto Gönnenwein«

Bei Kriegsende zogen morokkanische Truppen ins Museum ein. Halbwegs als wertvoll erkannte Exponate verschwanden, vor allem die schönen Silbergürtel der Frauentracht. Das Schwenninger Heimatmuseum, inzwischen teilweise ausgeplündert, übernahm die Stadt und wer noch ein Interesse daran hatte, war darüber froh. Denn auf Vereinsebene wäre die Unterhaltung eines solchen Objektes nicht mehr möglich gewesen. Ideell aber stand der Verein weiterhin zu seinem Museum, denn schließlich war es von ihm gegründet worden.

Schriftführer Hermann Maier war in der Brückenstraße bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen und mit ihm gingen auch die von ihm verwalteten Vereinsunterlagen verlustig. Nachdem die französische Besatzungsmacht alle Schwenninger Vereine aufgelöst hatte, gingen die noch verbliebenen Mitglieder davon aus, dass der Verein für Heimatkunde nicht mehr existent und deshalb aufgelöst sei.

Doch einer von der alten Gründungsmitgliedern hatte den Zweiten Weltkrieg überstanden: Vereinsrechner Christian Jauch! Er verwaltete immer noch die Akten des Vereins mit den Listen ehemaliger Mitglieder und unterhielt den notwendigen Schriftverkehr mit den Dienststellen – pflegte zumindest das Wenige weiter, was nicht durch Kriegseinwirkung verloren gegangen war. Insgesamt aber hatten die Menschen damals andere Sorgen...

Eine Trachtengruppe entsteht

Bereits 1949 fanden sich fünf Trachtenpaare zusammen, die am 3., 4. und 5. September auf Bitten der Stadt Überlingen in der Bodenseestadt ein Trachtenfest besucht hatten: Die Ehepaare Eugen Baum und Paul Maier, sowie drei jüngere Paare. Alle Teilnehmer entstammten dem ehemaligen bäuerlichen Milieu. Die Tracht war ihnen nicht Kostüm, sondern die überkommene Kleidung ihrer Eltern und Großeltern.
In den folgenden zwei Jahren dachte niemand der damaligen Festbesucher an eine Vereinsgründung, doch überlegte man, sich einem passenden Verband anzuschließen. Dies erfolgte 1951, in dem sich die Schwenninger Trachtenträger dem neugegründeten »Trachtengau Schwarzwald« als dessen siebente Gruppe anschlossen.

Nun gab es damals immer noch den »Verein für Heimatkunde«, zu dem, eigentlich »naturgegeben«, die Trachtengruppe gehören sollte. Zu dieser Zeit erledigte Gerhard Friedrich Weber-Benzing die Vereinsgeschäfte der »Trachtler« und erfuhr eines Tages über Dritte, dass der Vereinsrechner Christian Jauch sofort bereit wäre, sich wieder einzubringen, wenn sich denn der Verein für Heimatkunde wieder neu konstituieren sollte. Es kam zu einer Aussprache mit dem Ergebnis, alle noch lebenden ehemaligen Mitglieder dieses Vereins aufzusuchen und Kontakte aufzunehmen. Vor allem Jakob Hanßmann und Barbara Jauch-Gula sagten sofort ihre Mitwirkung zu.

Inzwischen hatte sich aus dem genannten brauchtumspflegerischen Antrieb die Schwenninger Trachtengruppe entschlossen, sich Anfang März 1951 zu einem Verein zusammenzuschließen. Durch Beschluss vom 24. Juli 1952 ließ dieser sich am 2. Oktober 1952 beim Registergericht in Rottweil unter dem Vereinsnamen »Verein Baaremer Tracht« eintragen. Es war vor allem der spätere Ehrenbürger Christian Link gewesen, der die Vereinsgründung vorangetrieben hatte. Aus der damals beschlossenen Satzung seien zwei Absätze aus §3 herausgestellt: »Der Verein will zur Wahrung und Erhaltung der Volkstümlichkeit und des Heimatgedankens beitragen und widmet sich im Besonderen der Brauchtums-, Trachten- und Mundartpflege.

Christian Link

Der Verein gründet auf dem Boden des kulturellen Lebens der Stadt Schwenningen und ist bereit, in angebrachten Fällen sich seiner Heimatstadt im Allgemeinen und dem Heimatmuseum im Besonderen zur Verfügung zu stellen«. Trotz einiger Zusagen früherer Mitglieder war freilich der Boden für einen neuen Heimatverein noch nicht bereitet. Dazu sollten noch vier Jahre ins Land gehen. Der »Verein Baaremer Tracht« etablierte sich inzwischen.

Das »Monatsblättle« erscheint

Anfang 1953 gab Gerhard Friedrich Weber-Benzing (im Folgenden GFW genannt) in eigener Regie und Verantwortung, das »Monatsblättle« heraus, eine zunächst lediglich hektographierte Vereinsnachricht. Es unterrichtete die Öffentlichkeit über Ziel und Bestreben des noch jungen Trachtenvereins. Ein Jahr nach seiner erfolgreichen Veröffentlichung übernahm es der Verein und ein weiteres Jahr später konnte es erstmals in gedruckter Form verbreitet werden. Um diese Zeit begann sich das »Monatsblättle« zu einem Verbindungsorgan für fortgezogene Schwenninger zu entwickeln.

Monatsblaettle 1956

Die Mitgliederzahl wuchs innerhalb der ersten Jahre auf 180 an, wobei viele Beitritte in Ermangelung eines wirklichen Heimatvereins erfolgt sind, und – weil der Verein »Baaremmer Tracht« bis dahin auch die Belange eines Heimatvereins bestens vertreten hat. In der Jahreshauptversammlung 1954 bestand vor diesem Hintergrund bereits die Absicht, den Trachtenverein in einen Heimatverein umzubenennen. Der Ehrenvorsitzende Christian Link hielt eine derartige Gründung, jedoch auf anderer Ebene und ohne die Trachtengruppe für sinnvoller. Trotz dieses Einwandes: bei der Probeabstimmung votierte eine 95-prozentige Mehrheit der Abstimmungsberechtigten für die Umbenennung des Trachtenvereins in einen Heimatverein. Es kam jedoch zu keinem Beschluss, vermutlich auch aus Rücksicht auf den Ehrenvorsitzenden.

Zwei Tage vor seinem Ableben wurde Christian Link mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Der Schwenninger Heimatförderer starb am 20. Juli 1955 und wurde, in der Schwenninger Tracht eingekleidet, eingesargt und auf dem Alten Friedhof an der Weilersbacher Straße beerdigt.

Oberbürgermeister Dr. Hans Kohler schrieb damals an die Witwe Berta Link unter anderem:
»Das Verhältnis der Bürger zu ihrer Gemeinde ist heute im Allgemeinen ein lockeres geworden, als dies früher der Fall war. Dies hat seine Gründe in der geschichtlichen und völkischen Entwicklung unserer Zeit. Ihr Mann aber [...] war ein leuchtendes Vorbild durch sein großes Interesse an der Förderung der Heimatkunde und des heimatlichen Brauchtums. Er war Mitbegründer des Vereins Baaremer Tracht[...]. Sein Wirken für das Städt. Heimatmuseum machte ihn zu dem stärksten Förderer dieser wichtigen kulturellen Aufgabe der Stadt«. Einige Zeit später wurde die »Dammstraße«, die westlich seine Firma tangierte, in »Christian-Link-Straße« umbenannt.

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