so war die Bezeichnung einer Spezial-Führung am 16. Mai 2015 durch das Schwenninger Heimatmuseum. Gespannt und wissbegierig verfolgte das zahlreiche Publikum die von Dr. Michael Hütt, dem Leiter der Städtischen Museen, gemeinsam mit Ralf Schade, dem Vorsitzenden der Trachtengruppe des Schwenninger Heimatvereins, inszenierte Führung. Ursprünglich hatte Dr. Hütt die Idee, eine vom Thema her eher trockene Materie, durch die Eindrücke von aktiven Trachtenträgern, noch interessanter zu gestalten. Aus diesem Grunde hat er sich dann mit Ralf Schade in Verbindung gesetzt und ihn für seine Idee fasziniert. Gemeinsam überlegte man sich einen Führungsablauf und begann anschließend mit den Recherchen.

Anhand eines alten Uhrenschildes, mehrerer Gemälde und Fotografien, alter Berichte, aber auch anhand ausgestellter Trachten konnten die beiden Führungsleiter sehr gut die Ursprünge und Veränderungen, der heute "Tracht" genannten Kleidung, darstellen. So ist es sicher für den einen oder anderen überraschend zu hören, dass die Röcke der Hippen erst ab ca. 1850 die Länge haben, wie wir sie heute kennen. Davor gingen sie knapp über das Knie, wie z.B. der Volkskundler Heinrich Hansjakob dies aus seiner Erinnerung als kleiner Bub, beschreibt.

Heute ebenfalls kaum vorstellbar, jedoch beweisbar, ist die Farbfreude früherer Schwenninger "Trachten". Beide gerade genannten Wandlungen werden in vielen Abhandlungen als "durch den Pietismus beeinflusst", beschrieben.
Da der Pietismus allerdings bereits 100 Jahre zuvor begonnen hat, boten Michael Hütt und Ralf Schade alternative Sichtweisen an. Während die Kürzung des Rocks eher dadurch entstand, dass aus der einstmals praxistauglichen Alltagskleidung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine durch modische Eindrücke beeinflusste Variante für prestigebewusste Damen wurde.

Der Verlust der Farbenfreude wiederum lässt sich eher durch andere Überlegungen erklären. So war es in der aufstrebenden Industriestadt Schwenningen gegen Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr üblich, die Tracht zu tragen. Die traditionelle Tracht wurde zunehmend durch modische Kleidung ersetzt. Die Anzahl der Frauen, welche die Hippe noch trugen, wurde immer geringer. Das Durchschnittsalter ihrer Trägerinnen immer höher. Nur wenige können sich noch an die letzten Trachtenträgerinnen, mit einem entsprechenden Alter, in Schwenningen erinnern. Da die Farbfreude mit zunehmendem Alter nachlässt, ist es kein Wunder, dass diese zuletzt gesehenen Trachten eher dunkel getragen wurden.

So sind sie auch heute noch in der Erinnerung. Aber nicht nur die Farbe und Länge des Hippenrocks war ein Thema der Führung, es wurde auch ausführlich über die Herkunft und die Veränderungen des Strohzylinders der Hippe gesprochen.

Ein wahres "Schmankerl" der Veranstaltung stellte die aktive Trachtenträgerin Giuseppa Volturana dar. Stolz präsentierte sie, durchaus mit dem Schalk im Nacken, ihren Bezug zur Schwenninger Tracht und ihre Sichtweise zum Tragen der Tracht im Allgemeinen. Dass sich die Arbeit für die Vorbereitung der Führung durchaus gelohnt hat, konnte man am Ende deutlich an den Äußerungen der Besucher erkennen.

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